Klopf, klopf, Bundesliga !!!

Vor 46 Jahren pochte der SV Röchling-Völklingen 06 an die Tür der höchsten Spielklasse

22. Mai 1972. Pfingstmontag. Ein hochsommerlicher Tag. Tausende von Autos rollen Richtung Saarbrücker Innenstadt, die, wie die "SZ" damals schrieb, "eine Invasion von Blech auf Rädern" erlebte. Der Grund: 35000 Fußball-Fans wollten sich im Ludwigspark das Bundesliga-Aufstiegsrundenspiel zwischen Kickers Offenbach und dem SV Röchling-Völklingen ansehen.

Als Völklingen vor 44 Jahren ans Tor zur deutschen Elite-Liga klopfte, waren auch der Völklinger Lothar Pecka und der Köllerbacher Werner Kirsch dabei, mit denen wir in alten Erinnerungen gestöbert haben. Die Zweite Bundesliga gab es noch nicht. Den Unterbau zur höchsten Spielklasse bildeten die Regionalligen Süd, Nord, West, Berlin und Südwest, deren Meister und Vizemeister seit 1964 in zwei Aufstiegsrunden-Gruppen die Aufsteiger zur Bundesliga ausspielten. Völklingen gehörte der Regionalliga Südwest seit ihrer Gründung an, schien aber zunächst auf Platzierungen im gesicherten Mittelfeld abonniert. Doch in der Saison 1971/72 schickte man sich an, die Großen das Fürchten zu lehren.

Völklingen war schlecht in die Saison gestartet, belegte sogar den letzten Tabellenplatz, arbeitete sich dann jedoch kontinuierlich nach oben und wurde am Ende Vizemeister hinter Borussia Neunkirchen, aber noch vor Mainz 05, dem FC Homburg, Alsenborn und dem 1. FC Saarbrücken. "Das war bis dahin der absolut größte Erfolg in der Vereinsgeschichte", erinnert sich Lothar Pecka. In der Aufstiegsrunde musste man sich mit Kickers Offenbach, Rotweiß Essen, dem FC St. Pauli und Wacker 04 Berlin auseinander setzen. "Wir waren krasser Außenseiter und wollten eigentlich nur lernen", so Pecka. Weil das Völklinger Stadion damals noch nicht umgebaut war und nur 10000 Zuschauern fasste, mussten die Heimspiele nach Saarbrücken verlegt werden, denn der DFB hatte zur Auflage gemacht, dass das Stadion eine Kapazität von mindestens 25000 Zuschauern haben musste. Und just im ersten Spiel hatte man den großen Favoriten Offenbach zu Gast, in dessen Reihen Spieler wie Vize-Weltmeister Siggi Held oder die späteren Nationalspieler Erwin Kostedde und Winni Schäfer standen. Die gewaltige Kulisse war für die Völklinger völlig ungewohnt. "Wie wir ins Stadion gekommen sind, die Menschenmassen gesehen haben, da haben wir uns gefragt: Was ist denn da los? In Völklingen haben wir höchstens mal vor 3000 Zuschauern gespielt" - wenn Lothar Pecka das erzählt, bekommt er noch heute eine Gänsehaut.

Das Spiel gegen Offenbach wurde zwar mit 1:3 verloren, doch Völklingen verkaufte sich prima. Ein glücklicher Präsident Franz Ludwig diktierte den Reportern in die Notizblöcke: "Jetzt ist Völklingen in ganz Deutschland bekannt." In Essen leistete Völklingen erneut Großes, verlor nur knapp mit 1:2, und gegen St. Pauli kassierte man eine unglückliche 0:1-Niederlage. Die ersten Punkte gab es gegen Wacker 04, das man in Berlin mit 6:1 deklassierte.

Dann aber war die Luft raus, und Völklingen verlor in Offenbach (2:7), zu Hause gegen Wacker (2:3) und in St. Pauli (1:3).

Im letzten Spiel, im Ludwigspark gegen Essen, verdarb Völklingen den Rotweißen den Bundesliga-Aufstieg. Essen hätte mit sieben Toren Unterschied gewinnen müssen, um die punktgleichen Offenbacher noch vom Aufstiegsplatz zu verdrängen, schaffte aber nur ein 2:1.

Was sind die schönsten Erinnerungen an diese Zeit? Werner Kirsch: "Die Kulisse bei den Spielen - das war einfach Wahnsinn. Und einmal haben wir im PK eine Autogrammstunde gegeben, da fühlten wir uns fast wie die Weltmeister. Zwei Jahre vorher in Köllerbach habe ich mich noch in einer Privatwohnung umziehen müssen, und dann spielen wir in Berlin, wohnen dort in einem piekfeinen Hotel, werden überall rumgereicht und geehrt. Manchmal habe ich geglaubt, ich würde das alles träumen."

Lothar Pecka erinnert sich besonders gerne an das Spiel in Berlin: "In der Regionalliga sind wir mit dem Zug zu den Spielen gefahren. Oder mit dem Bus. Aber nach Berlin sind wir geflogen, das war damals etwas Nichtalltägliches." Noch etwas bleibt den beiden unvergessen. Pecka erzählt: "Als wir die Aufstiegsrunde erreicht hatten, haben wir uns im Lokal Weißmann getroffen und gefeiert. Es wurde sehr spät, doch Personaldirektor Esser hat uns für den nächsten Tag alle vom Dienst freigestellt." Gelohnt hat sich das Ganze auch finanziell: "Es wurden damals ja keine riesigen Gelder gezahlt, aber das, was wir bekommen haben, war schon verhältnismäßig viel", sagt Pecka. Dass damals nicht so sehr das Finanzielle zählte, zeigen die Worte von Werner Kirsch: "Wir haben extra neue Clubanzüge bekommen. Vom Verein gab's die goldene Vereinsnadel und von der Stadt Olympiamünzen."